Marcel und die Schrottimmobilien

Wie die TAZ in der heutigen Ausgabe meldet, wurde am Mittwoch der Notar und Anwaltskollege Marcel E. verhaftet, Wohnung, Kanzlei und zwei weitere Objekte durchsucht. Die Staatsanwaltschaft teilt dazu mit, dass in 17 oder 18 Fällen von „banden- und gewerbsmäigem Betrug“ ermittelt werde. Ein ausführlicherer Bericht findet sich in der Berliner Zeitung.

Mit dem Kollegen hatte ich in seiner neuen Rolle als Verbraucher- und Mieterschutzanwalt für einen aufstrebenden Spandauer Mieterverein häufiger zu tun. Ich musste nämlich immer die Betriebskostenabrechnungen einklagen, deren Daseinsberechtigung der Kollege dann mit seitenlangen Textbausteinen bestritt. Der Kollege war nach meiner Erinnerung einer der ersten Berliner Rechtsanwälte, der sich die Bezeichnung „Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht“ verleihen ließ und hatte im Winter 2011 laut Presseberichten in mehreren Fällen dem ehemaligen Berliner Justizsenator und Anwaltsnotar Michael Braun zugesetzt, wobei Marcel E. Käufer von Schrottimmobilien vertrat. Mit seiner eigenen beruflichen Vergangenheit in diesem Bereich ging er dabei ganz offen um.

Wie es mit seinen Angestellten weiter geht, ist die andere Frage. Im April 2012 führte der Kollege noch zwei angestellte Berufsträger auf seinem Briefkopf. Der Kollege ist ein gutes Beispiel dafür, warum Berlin gut daran täte, Anwaltsnotare zum Auslaufmodell zu erklären und zukünftig das Notariat nur noch durch „Nur-Notare“ führen zu lassen. Dies würde auch derartigen Geschäftsmodellen mit abrupten Seitenwechseln und der von mir in vielen Fällen beobachteten anwaltlich begleiteten Notartätigkeit ein Ende machen. Hier sind dringend Reformen nötig, zumal die Geschäftserlöse gerade der kleineren- und Einzelnotariate ständig rückläufig sein sollen.

Ein Gedanke zu „Marcel und die Schrottimmobilien

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