Kalaschnikow in der Innenstadt

Die Meldung in der Bild Zeitung

Mietrecht ist auch, wenn der neue Mieter, der junge Mann in der Zweizimmerwohnung, erst laute nächtliche Party macht (zum Glück dafür abgemahnt wurde) und danach mit einer Kalaschnikow in der offenen Einkaufstasche durch die Fußgängerzone von Neuruppin läuft. War wohl eine ziemlich kleine Einkaufstasche – die Passanten holten jedenfalls sofort die Polizei.

Und wenn die Polizei bei der anschließenden Durchsuchung der Wohnung noch größere Mengen moderner Drogen findet, dann ist wohl eine Kündigung fällig. So wild kann es sein, das Vermieterleben in der brandenburgischen Kleinstadt.

Ausfall Email ohne Spaß

Es ist nicht lustig, wenn die Emailanbindung einer Anwaltskanzlei eine Woche lang nicht funktioniert und der Mailverkehr nur mit tagelangen Verzögerungen oder für einige Tage überhaupt nicht funktioniert. So ist es hier aber gewesen. Unser (früherer) Provider Domainfactory hatte gravierende technische Probleme mit den dort gehosteten Exchange-Postfächern, was für tausende von Kunden wie hier zu Störungen, vorübergehender Unerreichbarkeit und Verzögerungen im täglichen Emailverkehr hatte. Wahrlich keine Freude und einmalig in nun fast 30 Jahren Kanzlei-EDV.

Statusmeldung Domainfactory

Ich musste 95 % meiner IT-Kenntnisse einschließlich Konfiguration von DNS- und Mailservern reaktivierten, Umleitungen einrichten und danach das gesamte Hosting einschließlich der umfangreichen Postfächer zu einem anderen Provider umziehen. Spannend, aber leider ziemlich aufwändig.

Ich kann nur hoffen, dass meine Klienten wenig bis nichts von den Problemen im praktischen Betrieb mitbekommen haben und entschuldige mich in aller Form, dass die technischen und menschlichen Reaktionszeiten in der abgelaufenen Woche stark verzögert waren. Immerhin hat auch dies ein Gutes: Die Qualität und Reaktionszeit unserer neuen Lösung erlaubt schnelleres Arbeiten und ist so ausgelegt, dass auch ein Stromausfall nicht so fatale Konsequenzen haben sollte. Angeblich sollen ja bei Domainfactory nach einer von mir nicht bemerkten Firmenübername die Administratoren kostengünstig in der Ukraine (!) gesessen haben und die mittlerweile in Straßburg stehenden Server waren offensichtlich so vollgepackt mit Kunden, dass schon eine Wiederherstellung nach Stromausfall die Server zum Rauchen und Versagen brachte. Aber dies waren nur die (nicht prüfbaren) Kommentare unter den Statusmeldungen des Providers.

Kosten Erstberatung – ein offener Brief

Sehr geehrter Herr L.,

vielen Dank für den prompten Ausgleich meiner Kostenrechnung in dieser Sache. Sie kommentierten die Überweisung mit den Worten „stolzer Preis für ein kurzes Telefonat“, was ich nicht so stehen lassen möchte. Ich gehe hier davon aus, dass Sie keine Berufserfahrung als Freiberufler oder umfangreichere Erfahrungen mit Anwälten oder anderen beratenden Berufen haben.

Die von Ihnen telefonisch vorab angefragte Beratung begann mit der Übersendung ihre Mietvertragsunterlagen, die ich (von ihrer Seite aus eilbedürftig) nach Anlage einer Akte und Archivierung der von Ihnen überlassenen Unterlagen durchsah. Hieran schloss sich wegen der wirtschaftlichen Bedeutung des Falles für sie (wir reden hier von Renovierungskosten von schätzungsweise 3000-6000 EUR) eine kurze Recherche in der online-Datenbank von Juris an, um die zu dieser Thematik einschlägige Rechtsprechung insbesondere des Bundesgerichtshofes auf etwaige Neuerungen zu prüfen und die bei dieser Sachverhaltslage einschlägigen 2 Entscheidungen des BGH zu dokumentieren und zusammen mit ihren Mietvertragsunterlagen zu archivieren. Zur ordnungsgemäßen Dokumentation und Archivierung meiner Fall Unterlagen bin ich sowohl nach Standesrecht verpflichtet wie auch im Interesse der Sache gehalten, um etwaige Nachfragen zielgerichtet beantworten zu können. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits bei zügigster Arbeitsweise etwa 15 Minuten Zeit „verbraucht“; hieran schloss sich dann das von Ihnen erwähnte Telefonat mit Ihnen an, dessen Dauer ich auf 3-5 Minuten schätzen würde.

Zunächst also ist es so, dass Sie wie viele andere Verbraucher in Rechtsangelegenheiten sozusagen nur die Spitze des Eisberges, nämlich das eigentliche Resultat der anwaltlichen Tätigkeit wahrnehmen. Dieses besteht eben oft nur aus einem Satz, einer kurzen Empfehlung oder wie in diesem Fall einem kurzen Telefonat. Weiterlesen

Rechtsanwälte lieben das Off(line)

Das neue Jahr fängt gut an. Die Schnittstelle zum lange angekündigten beA (besonderes elektronisches Anwaltspostfach) wurde immerhin schon kurz vor Heiligabend fertig. Ich liebe strukturelle Updates in wichtiger Software zwei Tage vor Ultimo. Danke, RA-Micro!

Die nach meinem Eindruck mit heißer Nadel zusammen gestrickte Web-Schnittstelle der Rechtsanwaltskammer zu diesem seit 01.01.2018 gesetzlich (!) verpflichtendem (!) Postfach wurde dann pünktlich zum 23.12.2017 komplett vom Netz genommen und ist bis auf Weiteres außer Betrieb. Abgesehen davon, dass im Browser laufende Anwendungen mit Java ohnehin nicht so wirklich stabil laufen. Von den ständigen Updates mal abgesehen. Die Mädels und Jungs von der BRAK haben einmal mehr gezeigt, dass organisierte Rechtsanwälte manches anders machen. Da wird zunächst mal geklagt (gegen das Gesetz, die Inbetriebnahme der Postfächer oder was auch immer). Da werden hochgradig undurchsichtige Zertifikate verteilt, für deren Erhalt man wegen der bürokratischen Hürden nicht nur Abitur, sondern besser noch ein Hochschulstudium benötigt. Großartig auch, dass ich jetzt zwei Signaturkarten besitze. Man kann die wohl auch sammeln. Der aktuelle Spruch nach der Party ist „darf ich Dir meine Signaturkartensammlung zeigen?“.

Und dann die Pleite zum Jahresanfang. Da werden jetzt vermutlich mehrere Jahre Prozesse mit Auftragnehmern der BRAK und dem Papier hörigen Kolleginnen und Kollegen folgen. Und dann werde ich das papierlose Büro im Alltagsbetrieb vermutlich nicht mehr erleben. Es sei denn, ich will unbedingt bis zum Erreichen des 80. Geburtstages arbeiten. Bis dahin können wir uns damit trösten, dass die von der Berliner Justiz aus Kostengründen bevorzugte Briefzustellerin PIN-AG es im Dezember 2017 zuverlässig geschafft hat, Brieflaufzeiten innerhalb von Berlin von 7-10 Tagen zum Regelfall zu machen. Was den Neuigkeitswert einer vom Gericht an den Anwalt ohne beA-Postfach versendeten Nachricht etwa in den Bereich der versiegelten Nachricht mit reitendem Boten (Alexandre Dumas – frühes 19. Jahrhundert) befördert. Es gibt ja noch die Deutsche Post. Mal sehen, was da geht. Ich bin dann mal off.

Feiertage und Neujahr

Danke für die guten Wünsche, die hübschen und die herzlichen Karten

Weihnachtskarten 2016

und vor allem auch für die vielen persönlichen, nachdenklichen und sogar lyrischen (ja, liebe Frau R. – selbst gedichtet, das finde ich spannend) Nachrichten. 2016 war sicherlich nicht das beste aller Jahre, aber ich bin jetzt schon gespannt auf die Dinge, die uns und die Immobilien in 2017 erwarten.

Birkenwanzen im Mietrecht

Kleidocerys.resedae; Bild Wikipedia

Die gemeine Birkenwanze krabbelte im Frühjahr 2015 in einer Reinickendorfer Wohnanlage meiner Klientin herum. Zu Hunderten drangen die kleinen Viecher über die Fassade in die Wohnungen ein und ekelten (das kann ich verstehen) die Mieterinnen und Mieter. Bei der Ortsbesichtigung durch den ImmoAdvo sah das dann so aus.

2015-03-24_0076Der in der Wohnanlage tätige Hausmeister hatte das Laub unter den zahlreichen Birken nicht abgefahren, sondern in einer molligen etwa 20 cm hohen Schicht auf dem Boden verrotten lassen. Aus seiner Sicht verständlich, denn Lagerplatz für die enormen Laubmengen, die durch schätzungsweise 20 – 30 große Bäume entstehen, war weder vorhanden, noch ließen sich solche Mengen von Laub problemlos aus dem geschlossen Innenhof der Wohnanlage entfernen.

Und das fanden die Birkenwanzen ganz toll. Diese durchtriebenen Biester fallen von den Bäumen, legen die Brut warm und trocken im Laub ab und schwärmen dann sofort nach Beginn der warmen Jahreszeit aus, um sich weiter zu vermehren. Die Lösung war ebenso einfach wie teuer: Zusätzliche Gartenarbeiten für einen namhaften vierstelligen Betrag wurden beauftragt und das gesamte Laub auf dem großen Innenhof der Anlage abgefahren und verbrannt. Ein Lastwagen reichte da nicht und die Birkenwanzen wurden danach nicht wieder gesehen. Und wer es genau wissen will: Ja, das sind umlagefähige Gartenpflegekosten.

Erfolg Dunk Converse

Für den am Freitag kommenden Büroumzug musste dieses mindestens 20 Jahre Plakat aus meinem Arbeitszimmer nun wirklich mal weichen.

Das Wortspiel verstehen nur Basketballer und Menschen mit guten Kenntnissen im amerikanischen (Sport-)englisch: Was der inzwischen lange pensionierte Center Karl Malone da macht, nennt man Dunking. Das spricht sich [danking] aus oder abgekürzt eben auch [dank]. Erfolg dunk Converse (=Sportschuhhersteller).

Got the picture, honey?

Erfolg geht eben auch ohne Converse, das habe ich jetzt langsam gelernt 🙂

Krisenbewältigung ohne Neuverschuldung

Bild

Dieses Präsent einer Mandantin beweist

  1. wirtschaftliche Klugheit
  2. Humor
  3. einen guten Geschmack (denn es handelt sich um einen umgelabelten Spitzenwein spanischer Herkunft).

Da braucht es schon fast keinen Anwalt mehr (aber in diesem Fall doch). Vielmals Danke und nie aufhören zu schmunzeln

Software-Madness = RA-Micro

Wir verwenden die Software des deutschen Herstellers RA-Micro nun seit 25 Jahren. Und seit mindestens 10 Jahren frage ich mich jedes Jahr wieder, wie verspielt, experimentierfreudig oder auch nur durchgeknallt ein Softwarehersteller ist, der solche

2015-01-16 RA Micro

Übersichten zum Workflow veröffentlich (und das offenbar auch noch ernst meint).

Mal abgesehen davon, dass sich die Programmoberfläche mit immer bunteren Icons und Symbolen jedes Jahr ändert (was man zum Glück derzeit noch unterbinden kann) verstehe ich als Volljurist mittlerweile weder die Entgeltstrukturen dieses Lieferanten noch kann ich es gut finden, wenn jedes Jahr andere Bezeichnungen für Programm-Module, neue „Services“ und neue Benutzeroberflächen geschaffen werden. Das war eigentlich mal ein gutes Programm, mit dem man schnell arbeiten konnte. Jetzt ist es #SoftwareMadness und leider ziemlich anstrengend.